Ich möchte hier mal mehr oder weniger ausführlich meine Eindrücke vom gestrigen Konzert von AC/DC in Stuttgart reinschreiben und hoffe, jemand von euch kann auch was dazu sagen.
Zunächst mal die Rahmenbedingungen auf dem Cannstatter Wasen und der Anfahrt:
Wenn man dann einen Parkplatz gefunden hatte musste man sich eigentlich nur noch an die Menge halten, die einem dann zum Veranstaltungsgelände = Stuttgarter Volksfestplatz führte.
Bis man jedoch gecheckt hatte, dass es hier offensichtlich keine "vorbereiteten" Massenparkplätze gab, sondern jeder sich im Umkreis seine eigene Nische oder sein eigenes Parkhäuschen suchen musste, verging schon ein bisschen Zeit, da die "Parkplatz"-Beschilderung zwar grundsätzlich voranden war, aber ohne weiteren Anhaltspunkt plötzlich ausblieb.
Das Gelände ist von der Größe subjektiv vergleichbar mit der Theresienwiese in München ( C.Wasen = 35Hektar, Theresienwiese = 42Hektar), wurde jedoch aufgeteilt.
Im vorderen Bereich wo man auf das Gelände ging waren die ersten Bier- und Imbisbuden, sowie 2 kleine Reihen Dixiklos, bei denen der Begriff "da steht die Scheisse bis zur Decke" schon vorm Konzert eine sehr aufgeschlossene Bedeutung bekam.
Pipi-Ausweichmöglichkeiten gab es am Rand des Geländes genug, diese wurden aber auch ausgiebigst genutzt, so dass die letztendliche "Hose-auf-und-laufen-lassen"-Parkposition aufgrund des Urin-Rückflusses von den Büschen zurück aufs eigentliche Gelände durchaus mehrere Meter von den ursprünglichen Zielkoordinaten abweichen konnte.
Natürlich war die Verpflegung sowie "Fanmaterial" völlig überteuert.
Als man dann die erste Hälfte des Geländes hinter sich gebracht hatte kam man zur Schleuse mit kurzer, oberflächlicher Durchsuchung mit Fragen wie "was hastn da drin?" und Kartenentwertung.
Nun war man im eigentlichen Veranstaltungsteil, der ebenfalls überall mit jeglichen Buden beflankt war (leider teilweise mitten im Zuschauerfeld und nicht am Rand, was soll das?).
Links und rechts wurden von überall ersichtlich mit riesigen Fahnen Sanitätsbereiche, WC-Reihen, Notausgänge und sogar ein Rollstuhlfahrerpodest signalisiert.
Die Stimmung der Menge war nicht zuletzt aufgrund der sehr guten Füllung des Open-Air-Bereiches (nicht zu eng, schön kuschelig eben) in keiner Minute agressiv sondern immer sehr entspannt und gut drauf, auch am Ende wo alle rausströmten.
Ist wahrscheinlich auch ein Vorteil vom Sonntag, dass es nicht auffallend viele Übrbetankte gab.
Die Zuschauer waren m.M.n. exakt dafür bestimmt, was die 5 Jungs dann auch geboten haben, nämlich Jedermann-Hard-Rock (näheres dazu später).
Geklatscht wurde wie im Musikantenstadel, ich habe Leute gesehen die sich die Ohren zugehalten habe (auch zur Anlage usw. schreib ich noch was) und mitsingen konnten die Meisten auch nur bei Sachen wie TNT oder You Shook Me All Night Long.
Ich sag mal vom 7-Jährigen-"Papa will das aus dem Jungen was wird"-Bimpf bis hinauf zum knappen "Mei waren das früher noch Zeiten"-65er war alles dabei, jedoch erstaunlich wenig richtig kernige Rocker (ich weiß aber warum).
Die Lichtanlage umfangreich und sehr gut ausgewählt, an manchen Stellen fand ich solche Regenbogenmuster im Bühnenhimmel, wo die meisten Spots hingen, aber etwas kitschig.
Links und rechts am oberen Rand der Bühne war jeweils eine riesige, mit Luft gefüllte Anguskappe, die ständig im gleichen Rhythmus geleuchtet haben.
Ein Zug mit Hörnern obendrauf war passend zum Lied ebenso vorhanden wie eine riesige Rosie-Puppe, den "For those about to rock"-Kanonen (die lächerlich waren, da bei jedem "Shoot" von den 6 Dingern grade mal eine ein kleines Wölkchen von sich gab) und einem Laufsteg mit ausfahrbarem Podest am Ende, wo Angus dann seine klassischen, auf dem Boden liegenden Kreise zog.
Die "Leinwände" waren groß genug dimensioniert und in die Bühne eingebunden, auch die Kameraführung war wirklich gelungen.
Die Soundanlage hätte von der Abstimmung (sowohl Instrumente/Gesang als auch allgemeine Einstellung) her nicht besser sein können, so viel Klangfülle und Genauigkeit (also überhaupt kein schwammiger Sound sondern sehr definiert) habe ich nicht von einem Open-Air erwartet.
Einzig die Lautstärke hätte noch einen Tick höher ausfallen können, da hat mir der Druck im Magen etwas gefehlt.
Nun zu den 5 älteren Herren.
Phil Rudd an den Trommeln war wie immer routiniert und teilweise mit Kippe im Mund am Werk, so wie vor 15 Jahren auch schon (ich muss allgemein mal sagen, dass mich dieser Gig extrem stark an das "No-Bull"-Konzert in Madrid im Jahre 1996 erinnert!)
Mr. Williams (gänzlich im grauen Haarkleid) stand gewohnt angewurzelt und mit wenig Ausdruck mit seiner Gitarre vor seinem Teil der Marshall-Wand und bot richtig fette Bässe ohne einen von mir gehörten Fehler, einfach genial.
Malcolm empfand ich irgendwie als "Sorgenkind", der schaut im Vergleich zum Rest der Bande absolut nicht mehr fit aus und hat oft wie kurz vorm krepieren ausgesehen, auch wenn sein Gitarrenspiel meist fehlerfrei war (ab und an v.a. am Anfang leichte Timingprobleme).
Von Angus und Brian war ich enorm überrascht.
Nicht nur dass Angus absolut flink und agil wie vor 20 Jahren erschien, von seinem exorbitanten Gitarrenspiel abgesehen, war Brian mit voller Stimme (was ich von Videos der Tour vom letzten Jahr nicht mehr so in Erinnerung hatte) und enormen Einsatz dabei.
Ich muss hierbei nochmal betonen, dass man sowohl Phil, Brian und Angus direkt in ein Konzert vor 15 Jahren stecken könnte und es würde nicht viel Unterschied auffallen!
Die Musik die sie da gespielt haben machte mir teilweise fast Angst, da es wie von der CD klang.
Da merkt man, dass die Jungs derzeit aufgrund der Tour mächtig in Übung sind und die Routine von mehreren Jahrzehnten haben.
Nun mal zur Tracklist und somit auch langsam aber sicher zum für mich als doch etwas versierteren "Jung-Fan" negativ auffallenden Teil dieses Konzertes..
Es ist mir nicht nur zu kommerz, dass neben einigen Songs aus dem neuen Album sowie den absoluten Jedermann-Klassikern wie "TNT, Highway to Hell, Hells Bells, Thunderstruck, The Jack,.." nichts besonderes dabei war, woran man sich als jemand der weiß was die sonst noch so drauf haben aufgeilen hätte können.
Auch die Interaktion mit dem Publikum (okay, der "The-Jack-Strip" von Angus war ebenso dabei wie das ein oder andere Gitarre-Crowd-Hin-und-Her-Geschreie) fand ich jetzt nicht so prickelnd, nicht weil sie nicht vorhanden war, sondern weil es relativ lustlos und standardmäßig "Schublade auf-Konzert machen-Schublade zu" rüberkam, finde ich zumindest.
Das liegt aber mit Sicherheit nicht nur an der Band, sondern wie angesprochen an den heutigen Zuschauern.
Da mache ich keine Vorwürfe, sage aber behaupten zu können, dass das vor einiger Zeit ein anderes Feeling gewesen sein muss.
Zusammenfassend:
Qualitativ ein außerordentlich hochwertiges Konzert, wo alles geboten wurde, was der Wald- und Wiesenfan hören möchte.
Die Band ging für dieses Alter brutal ab, jedoch hat mir ein Flair gefehlt, den ich von zahllosen, älteren Konzeraufnahmen gekannt habe.
Wer diese Musik mag muss diese Band in seinem Leben mal Live gesehen haben, auf das "mal" würde ich es aber heutzutage auch beschränken wollen, da ich nicht das Gefühl habe, an einem anderen Tourstandort etwas anderes geboten zu bekommen.
Da reisst auch das Feuerwerk am Schluss nix mehr raus, den Satz "Goodbye Germany" von Brian wird wohl auch nicht jeder verstanden haben.
Und nun sagt mal ihr was ihr von gestern denkt!

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